Dekanat Oettingen

Herzlich Willkommen auf der Homepage des Dekanats Oettingen, anbei können sie wissenswertes über den Dekanatsbezirk und unsere Kirche St. Jakob in Oettingen erfahren.

Ihr Dekan Armin Diener

Die Kirchengemeinden des Dekanats Oettingen
Bildrechte: unbekannt

 

St. Jakob Oettingen - Kirchenführer

 

An die Besucher der Jakobskirche:

 

Unsere Kirche ist dem Apostel Jakobus geweiht. Sie liegt an einem Jakobspilgerweg. Die Jakobusstatue vor der Kirche erinnert daran. Auf diesem Pilgerweg sind im Mittelalter viele Menschen zum Grab des Jakobus nach Santiago de Compostela in Nordspanien gepilgert. Bei uns in Oettingen machten sie Rast. In der St. Jakobskirche haben sie gebetet. Gestärkt an Leib und Seele zogen sie weiter. Wer unsere Kirche besucht, möge auch heute seinen Lebensweg gestärkt weiterziehen.

 

Hans Keitel, ehem. Pfarrer an St. Jakob, und Günter Reichel, ehem. Dekan in Oettingen

 

Seien Sie willkommen in dieser Kirche, denn sie ist für die Besucher gebaut. Sie erwartet sie nicht nur als Gäste, sondern auch als »Zugehörige«. Das gilt für die Angehörigen der St. Jakobs Gemeinde genauso wie für die auswärtigen Besucher, die sich hier willkommen und zu Hause fühlen können.

 

 

Seit mehr als fünf Jahrhunderten kommt die Gemeinde in dieser Kirche zusammen zu Gottesdienst und Gebet. Hier wurden und werden die Ehen geschlossen, die Kinder getauft und die Verstorbenen betrauert. Jeder Stand, auch das Fürstliche Haus, war mit dieser Kirche eng verbunden, haben doch hier auch Mitglieder der fürstlichen Familie ihre letzte Ruhestätte gefunden. Je besser wir etwas kennen, umso vertrauter fühlen wir uns. Dazu wurde dieser Kirchenführer geschrieben.

 

Jakob Röttger

 

St. Jakob Oettingen - Zeittafel

Patrozinium St. Jakob: 25. Juli 1312 Eigene Pfarrei

1312-1326 Volkmar von Schmähingen Pfarrer, Errichtung des Chores

1389 Bau einer Orgel (Joh. v. Munningen)

1430 Beginn der Errichtung des heutigen Kirchenschiffes

1461 Turm bis zum Kranz fertiggestellt

1472 St. Annakapelle »aufgerichtet«

1494 Kirche mit St. Annakapelle vereinigt, Weihe, Friedhof erweitert

1496 Türmer und Uhr auf dem Turm

1500 Kreuzigungsgruppe

1525 Anfänge der Reformation in der Grafschaft Oettingen-Oettingen

1542 Übereinkunft der Grafen von Oettingen-Oettingen und Oettingen-Wallerstein:St. Jakob lutherisch, St. Sebastian katholisch.

1546/47 Schmalkaldischer Krieg. Die Grafen Ludwig XV. und Ludwig XVI. werden geächtet. Herzog Alba und Kaiser Karl V. in Oettingen, St. Jakob wieder kath.

1555 Augsburger Religionsfrieden. Die Grafen werden begnadigt und kehren zurück. St. Jakob wieder protestantisch

1565 Oktogon auf dem Turm

1609 Kirche neu verglast, Dachstuhl erneuert 1654   Treppentürme, Südeingang, neue Sakristei

1677 Neue Kanzel

1680/81 Stuck, Deckenbilder

1689 Taufstein. Erste Ausgabe des Oettingischen Gesangbuches

1711 Größere Renovierung, neue Orgel

1724 »Frauenempore« an der Südseite

1774 Taufstein renoviert

1776/77 Neue Orgel auf der westlichen Empore, neue Apostelbilder

1790 Ende der Bestattungen auf dem Friedhof um die Kirche

1807 Kirchhofmauern aufgegeben und Kirchhof gepflastert

1888-93 Chor restauriert, neues Gestühl, oberer Altar renoviert, bemalte Glasfenster (Prof. Wanderer), Taufstein renov.,  neugot. Taufstein in die Sakristei verbracht

1904/05 Renovierung des Kirchenschiffs und der Annakapelle, neue Emporen, neues Gestühl, neue Orgel, »gotische Fenster« an der Westseite angebracht, Treppentürme im Westen erneuert

1945 Gemalte Kirchenfenster im Chor bei Bombenangriff zerstört

1966 ff.Turm neu verputzt und gestrichen, Eisenträger in Dachstuhl eingezogen, Dach neu gedeckt, neues Gestühl, Hochaltar neu aufgestellt, Taufstein in die Mitte vor den Altar, Kruzifix vom Gemeindealtar in die Annakapelle gebracht

1987/88 Turmverputz und Anstrich erneuert, viertes Zifferblatt der Turmuhr im Westen

1994 Jakobus-Statue von Steinacker an der Südwestecke der Kirche aufgestellt

 

St. Jakob Oettingen - Geschichte und Baugeschichte

Obwohl Oettingen schon seit dem 11. Jahrhundert Sitz der Grafen und späteren Fürsten von Oettingen und bereits im 13. Jahrhundert eine befestigte Stadt war, wurde die Kirche erst 1312 selbständige Pfarrkirche. Die Mutterkirche war bis dahin St. Andreas und Stephan im 3 km entfernten Ehingen am Ries, das im Bistum Augsburg lag, aber dem Bischof von Eichstätt gehörte. Erst als der Eichstätter Bischof Ehingen an das Domkapitel von Eichstätt verkaufte, kam es zu einer Neuregelung, die sicher im Interesse der Oettinger Grafen war: Denn die Hauptkirche war nunmehr St. Jakob in Oettingen, das von einem »ständigen Vikar« betreut wurde, Ehingen wurde zur Filialkirche, die ein Kaplan versorgte. Mit Sicherheit stand schon vor 1312 an diesem Platz, der zunächst noch außerhalb des Ortes lag, ein Gotteshaus mit einem Friedhof. Dieser Friedhof wurde bis etwa 1790 benützt. Von dort stammt der reiche Schatz an Grabmälern (Epitaphien), die heute im Kircheninneren untergebracht sind. Die Baugeschichte der Kirche vor 1312 liegt völlig im Dunkeln. Es ist nicht einmal sicher, ob die Kirchenweihe, die Bischof Gundekar von Eichstätt zwischen 1057 und 1075 in Oettingen vorgenommen hat, unserer Jakobskirche oder einem anderen Gotteshaus galt.

Von der Zeit an, da die Pfarrei selbständig wurde, sind uns die Namen von Geistlichen und Nachrichten über manche Bautätigkeit überliefert. Hierfür möge die beigefügte Zeittafel genügen. Hingewiesen sei darauf, dass der heute nicht mehr vorhandene St. Jakobsaltar im Zusammenhang mit dem bis 1326 vollendeten Chorbau »von der Wand abgerückt und auf die rechte Seite der Kirche gestellt wurde.«

1430 wurde mit dem Bau des heutigen Kirchenschiffs begonnen. Als man um 1460 den »alten Turm« neu zu errichten begann, war das Kirchenschiff wohl fertig. 1472 soll die St. Annakapelle »aufgerichtet« worden sein. Das Verhältnis dieser Kapelle zu dem heutigen Kirchenschiff wirft Fragen auf. Wurde der Anbau vollkommen neu erstellt? Bei der Außenrenovierung 1987 konnte mit größter Wahrscheinlichkeit festgestellt werden, dass an der Südwestecke der Kapelle die Nordwand des Kirchenschiffs an die Westseite der Kapelle angebaut ist. Demnach müsste die Kapelle älter als die Nordwand des Kirchenschiffs (1430) sein. Sicher ist, dass 1494 die Annakapelle mit dem Kirchenschiff vereint und das Gotteshaus neu geweiht wurde.

Im 17. Jahrhundert entstanden äußere Anbauten: der Vorgänger des südlichen Treppenturms, der Vorbau zum Südeingang, ein weiterer Treppenturm und die Sakristei (1654). Im Inneren wurden die Emporen erweitert. 1680 erfolgte dann unter Fürst Albrecht Ernst I. die grundlegende Renovierung im barocken Stil, die heute noch dem Kircheninneren sein Gepräge gibt.

Deutliche Spuren hinterließen die Renovierungsarbeiten 1888-94 im Chor und 1904 im Kirchenschiff. An der Westfront wurden anstelle von zwei rechteckigen Fenstern rechts und links des Mittelfensters zwei Spitzbogenfenster eingebrochen. Die Treppentürmchen an der Nordwest- und Südwestecke wurden entsprechend dem südlichen Vorgänger neu errichtet.
 
 

St. Jakob Oettingen - Ein Gang durch die Kirche

St. Annakapelle

Da der Nordeingang gegenüber dem Neuen Schloss in der Regel geöffnet ist, soll die Beschreibung hier beginnen. Der Raum, den man durch ein neugotisches Portal betritt, stellt sich heute als ein Seitenraum zum Hauptschiff dar. Ursprünglich hat es sich wohl um einen mehr oder weniger abgeschlossenen, eigenen Sakralraum gehandelt. Er wird im allgemeinen St. Annakapelle genannt. Unter dem Deckenstuck, der dem Stuck im Hauptraum entspricht, erkennen wir ein zweijochiges Kreuzgratgewölbe, dessen Ansätze wohl bei der Barockisierung teilweise abgeschlagen wurden. Deutlich ist, dass man mit der Beleuchtung des Raumes nicht zufrieden war. Die Einfassung des (einzigen!) Rundbogenfensters ist so umgestaltet, dass möglichst kein Licht verlorengeht. Die spitzbogigen Fenster ohne stuckierten Rahmen vertragen sich wenig mit dem barocken Stuck. Die Zeit ihres Einbaus ist unbekannt.2 In das 15. Jahrhundert gehören die kostbar gemalten Weihekreuze.

Die an den Wänden befindlichen Grabsteine waren nur teilweise hier angebracht, teilweise waren sie im Boden eingelassen. Andere sind - ebenso wie die Epitaphien im Kirchenschiff - 1966 vom Außenbereich der Kirche, dem ehemaligen Friedhof, hereingeholt worden. Das Gemälde »Die Grablegung Christi« über der Tür und die Kopie von Leonardo da Vincis »Abendmahl« an der Ostwand (es stammt von der Ausgestaltung des Gemeindealtars von 1846, Maler: v. Braun) wurden um 1904 hier angebracht.

  Zwischen den Fenstern an der Nordseite hängt ein Bild in rotem Rahmen, das besondere Aufmerksamkeit verdient.

 Es ist eine Totentafel zu Ehren Sebastian Riethmüllers, »gewesener gravelicher Oettingischer Forstmeister zu Hirschbrunn,

 Bürger und Almosenpfleger zu Oettingen«, der 1596 starb. 

 Dargestellt ist die Auferweckung des Lazarus (Joh. 11).

 Es wird vermutet, dass die Stadt im Hintergrund Oettingen ist, dies wäre die älteste Ansicht des Ortes. 

 Die Zahl der Türme an der Stadtmauer war allerdings nie so groß wie auf dem Bild.

 

Das Kirchenschiff

Tritt man durch einen der großen Spitzbogen von der Annakapelle in das Kirchenschiff, entfaltet der mächtige offene Raum seine großartige Wirkung. Die besondere Harmonie der Raumverhältnisse unter dem gewaltigen Tonnengewölbe, der Gleichklang der Emporen und der übrigen Architekturteile mit der Ausstattung und die meist warmen Farben auf dem durch den Stuck in vielfältiger Schattierung gebrochenen Weiß sowie das überall aufleuchtende Gold verleihen dem Raum seine Heiterkeit und Leichtigkeit. Doch: Dieser Barock ist protestantischer Barock! Und wenn man nach dem Unterschied zu der Raumgestaltung in Kirchen der Gegenreformation fragt, so merkt man, dass dieser Raum nicht die mystische Verzückung, die Ekstase will, sondern dass er letztlich zum Nachdenken führen soll, dass es hier in vielfältiger Weise um Erkenntnis geht. Der ganze Kirchenraum predigt uns. Diesen Gesichtspunkt sollte man auch bei der Betrachtung der Einzelgegenstände nicht aus dem Auge verlieren.

Die Ausmaße sind beträchtlich. Über den 26 m mal 15m großen Raum spannt sich die riesige Gewölbetonne mit einer Scheitelhöhe von 13m. Die Gesamtlänge des Kirchenbaues mit dem Chor beträgt ca. 42 m. Erst kürzlich wurde durch Untersuchungen im Dachstuhl bewiesen, dass der Raum schon immer von der Tonne überwölbt war, die man sich ursprünglich wohl als schlichte Holztonne vorstellen muss. Die technische Meisterleistung einer Wölbung mit so großer Spannweite ist eine Besonderheit!

Der Stukkator Mathias Schmuzer d.J. (1636-86) aus Wessobrunn, der gleichzeitig im neuen Saalbau im Unteren Schloss arbeitete, gliederte 1680/81 die  riesige Deckenfläche durch kräftige Blattrahmen und Fruchtgehänge. Dem markanten Gesims am Ansatz des Deckengewölbes setzte er mit den breiten  Gurtbögen ein Gegengewicht und beraubte es so seiner Schwere. Er nahm auf diese Weise das Gegeneinander der starken Betonung der Waagrechten durch die Emporen und der Senkrechten durch die spitz-bogigen Fenster wieder auf. Die Stuckierung an den Emporen wurde nach den sehr einfühlsamen Entwürfen von Carl Leibig durch den Stukkatur Michael Knecht aus Augsburg 1904 neu angebracht. Die früheren Emporen waren nicht stuckiert. Die Inschrift über dem Triumphbogen lautet:

 

»SERENISSimus PRINCEPS AC DomiNoRum DomiNuS ALBERTUS ER-NESTUS Sancti Romani Imperii PRINCEPS IN OETINGEN HANG AEDEM SACRAM IN HONOREM DEI ITA EXORNARI CURAVIT Anno Christi MDCLXXXI« »Der durchlauchtigste Fürst und Herr der Herren Albrecht Ernst, des Heiligen Römischen Reiches Fürst in Oettingen, ließ diesen heiligen Tempel zu Ehren Gottes so ausschmücken im Jahre Christi 1681«. Darunter prangt das Allianzwappen des Fürsten und seiner Gemahlin Eberhardina von Württemberg. Es ist mit dem Fürstenhut geschmückt. 1674 hatte Albrecht Ernst den Fürstentitel verliehen bekommen. An diesem neuen Glanz sollte seine Residenz und natürlich auch seine Kirche teilhaben.

Die Deckenbilder

Sie sind ein Werk des Augsburger Malers Johann Georg Knappich (1637-1704), der eine Vielzahl von Altarbildern und Fresken im schwäbisch-bayerischen Raum schuf. Bei der Kirchenrenovierung 1904 wurden die Fresken von dem Kirchenmaler Vogt aus München übergangen. Die drei Bilder an der Südseite zeigen Szenen aus der Weihnachtsgeschichte: Die Ankündigung der Geburt Jesu durch den Erzengel Gabriel, die Anbetung des Christkindes durch die Hirten, die Namengebung bzw. die Beschneidung des Jesuskindes (erzählt im Lukasevangelium 2,21 ff). Dann folgt im Westen die Verklärung Christi (Luk. 9,28-36). Auf der dunkleren(!) Nordseite finden wir drei Szenen aus der Passionsgeschichte. Sie beginnen an der Nordwestecke bei der Orgel: Jesus im Garten Gethsemane, die Kreuzigung und die Grablegung. Der chronologischen Reihenfolge nach finden wir im Osten die Darstellung der Auferstehung und als zentrales Bild am Scheitel des Gewölbes die Himmelfahrt bzw. den Triumph Christi im Himmel.

 

Die übrigen Bilder im Kirchenschiff

Die übrigen Bilder im Kirchenschiff sind Totentafeln für besondere Persönlichkeiten. Hierzu gehören das Jonas-Gemälde über der nördlichen Empore und die Totentafel für Matthias Röster (1578) über dem Pfeiler vor der Annakapelle, die den Traum Jakobs darstellt. In vergoldetem Rahmen ist links vom Triumphbogen die Totentafel für Daniele Le Suire (t 1693) zu sehen, einen Hugenotten aus Toire (Poitou) und Fürstlich Oettin-gischen Kastner zu Nördlingen, mit einem bei Hugenotten beliebten allegorischen Thema: Taufstein »Der rechte und der falsche Weg«. Man sieht im Hintergrund rechts einen Jüngling, der ins Dunkel tastet, oben wird derselbe Jüngling von Engeln empfangen. Die allegorische Darstellung rechts von der Kanzel und die Bilder über der Südempore sind ebenfalls Totentafeln.

 


    
St. Jakob Oettingen - Ein Gang durch die Kirche
    
    

Der Taufstein

Dieses tiefsinnige Kunstwerk schuf der Oettinger Bildhauer Konrad Thier (t!708). Es wurde 1689 von dem Fürstlichen Kanzleirat Heberlein gestiftet (s. Inschrift am Sockel). Die Figur Adams mit dem Apfel (Erbsünde!) trägt eine große Muschel (Jakobsmuschel!). Das Wasser in der Muschel stellt den Jordan dar, in dem die Gestalt Jesu kniet. Hinter ihm steht Johannes der Täufer, einen Kreuzstab in der linken Hand haltend. Er tauft Jesus, den »zweiten Adam« (l. Kor. 15,22). In die symbolhafte Beziehung zwischen Erbsünde und Gnade wird auch der Täufling mit einbezogen, denn bei einer Taufe wird die Christusfigur weggenommen, wodurch das Taufbecken frei wird, so daß der Täufling unter der Hand Johannes des Täufers gewissermaßen im Jordan anstelle Christi getauft wird.

 

 

 

 

 

Der Gemeindealtar

Die Ausgestaltung stammt aus dem Jahre 1905. Das Kruzifix, das sich seit 1966 in der Annakapelle befindet, stammt von diesem Altar.

    

                                                 


Totentafel für Daniele le Suire (t 1693)     Epitaph für Balthasar Zoch (t 1610)

 

Die Kanzel

Bei der Renovierung 1904 fand sich die Jahreszahl 1677. Der Schöpfer dieses großartigen Werkes ist nicht genannt. E. Grünenwald4 weist es dem Künzelsauer Bildhauer Johann Jakob Sommer zu, der in diesen Jahren in Oettingen gearbeitet hat.

 

»Verbum Dei manet in aeternum (das Wort Gottes bleibt in Ewigkeit)«, steht über dem Eingang zur Kanzel. An der Unterseite des Schalldeckels ist das Symbol des Heiligen Geistes, die Taube, angebracht. Über dem Schalldeckel jubelt der Barock. Die Marterwerkzeuge, geschwungen von niedlichen Putten, wirken kaum als solche; und das Kreuz, das der triumphierende Christus, auf der von der Schlange (als Zeichen der Sünde und des Todes) umwundenen Welt stehend, schwingt, ist kaum mit dem Bild der Kreuzigung am Hochaltar im Chor zusammenzubringen, so fern ist hier alles Leid im Triumph über Sünde und Tod.]Im Vergleich dazu ist der Schmuck der Kanzelkorbwände eher nüchtern und zurückhaltend. An fünf Seiten des verschobenen hexago-nalen Prismas, das den Kanzelkörper bildet, stehen zwischen gedrehten Säulchen in Nischen mit Muschelabschluss die vier Evangelisten und der Apostel Paulus, jeder mit seinem Symbol: Matthäus mit dem Engel, Markus mit dem Löwen, Paulus mit dem Schwert, durch das er hingerichtet wurde, Lukas mit dem Stier, Johannes mit dem Adler. Über und unter ihnen befindet sich je eine Reihe Engelsköpfe. Das überragende Meisterwerk ist jedoch der kanzeltragende Engel. Seine Gewandung, die Tunika (römisches Untergewand) und das sich beim Herbeistürmen im Wind bauschende, faltenreiche Obergewand, vor allem die Fußbekleidung, sind römisch empfunden, doch wird dieser Eindruck sogleich durch die weichen Gewandfalten, die Locken und vor allem durch die mächtigen Flügel, deren Rauschen man zu hören meint, veredelt und ins Gewaltige, Überirdische gesteigert.

Der Chor

Trotz der weiten Öffnung durch den Triumphbogen wirkt der Chor, sobald man ihn betreten hat, als ein eigener Raum. Hier spürt man durch die barocke Stuckierung Schmuzers hindurch noch den Atem der Gotik. Dies bewirken die polygonal gebrochene Abschlusswand, die hohen gotischen Fenster mit Maßwerk und das unter dem Stuck wahrnehmbare Kreuzrippengewölbe.

 

Das Chorgestühl und die großen Holzepitaphien

Es handelt sich nicht um ein Chorgestühl im eigentlichen Sinne, da die Kirche nie mit einem Kloster verbunden war. Im Chor waren die Plätze für die Geistlichen und später für die Lehrer der benachbarten Lateinschule. Das Gestühl wurde 1889 angebracht, wobei man den vom Ehepaar Jakob und Maria Heberlein (vgl. auch den Tauf stein) 1671 gestifteten »Pfarrstuhl« einfühlsam ergänzte.

                                                

Epitaph für Jakob Moser (t 1595) und Familie 
                                                                                   Holzepitaph für den gräflichen Vogt Caspar Klingler (t 1618)

 

Im übrigen diente der Chor über Jahrhunderte hinweg als letzte Ruhestätte oder Platz des Gedenkens für Mitglieder des Fürstlichen Hauses, herausragende Persönlichkeiten des Hofes und Geistliche. Hier ruhen die sterblichen Überreste einer ganzen Hofgesellschaft friedlich vereint. »All hernach reich und arm« besagt der Totenschild für Graf Ludwig XIII. von Oettingen an der linken Chorwand. Als Beispiel sei noch der Grabstein für den Superintendenten Georg Adam Michel (t 1780) am Triumphbogen links genannt. Bemerkenswert sind auch die drei großen Holzepitaphien an der nördlichen Chorwand. Das linke ist dem gräflichen Vogt Caspar Klingler (t 1618) gewidmet und zeigt die Opferung Isaaks. In der Mitte erinnert ein Epitaph an den Amtmann Balthasar Zoch (t 1610) und seine Familie. Die Darstellung zeigt die Jonasgeschichte. Das rechte Denkmal schließlich bewahrt das Gedächtnis des Kanzlers Jakob Moser (t 1595) und seiner Familie, das Gemälde zeigt die Auferstehung Christi.

    

Die Apostel und die Heilige Dreifaltigkeit

Wenden wir unseren Blick nach oben, so begegnen wir den Zeugen der Auferstehung, den Aposteln in den Schildflächen über den Fenstern. Darüber schwebt, eingerahmt in festlichem Schmuzer-Stuck, triumphierend die Hl. Dreifaltigkeit.
 

Die Orgel


Oettingen ist eine Stadt des Orgelbaus. Es dürfte auf der Welt nur wenige Orte geben, wo so viele Orgeln gebaut worden sind. Seit der 2. Hälfte des 16. Jh. sind in den Oettinger Kirchenbüchern Orgelbauer belegt7. Von den Vorgängerinnen unserer Orgel weiß man folgendes: Pfarrer Johann von Munningen (l 389-1404) hat die Kirche mit einer Orgel versehen. Diese sowie spätere Werke wurden im Chor aufgestellt. 1777 errichtete man erstmals eine neue Orgel auf der Empore. Sie war mit der Figur König Davids und musizierenden Engeln geschmückt, die man jetzt an der Orgel sieht, und wurde 1875 durch ein neues Werk im »gotischen« Stil ersetzt. Dieses lieferte die ortsansässige Firma Steinmeyer, die 1904 wieder eine neue Orgel aufstellte. In das barockisierende Gehäuse der Vorgängerin wurde nach einer Erweiterung das heutige, 1946 von Steinmeyer geschaffene, dreimanualige Werk mit 48 Registern eingebaut.

 

Würdigung

In der Jakobskirche in Oettingen sprechen noch heute die Künstler und ihre Auftraggeber, die diesen Kirchenraum gestaltet haben, über Jahrhunderte hinweg zu uns. Sie schmückten diesen Raum als den Festsaal der Gemeinde, wo der Arme und der Reiche, der Einheimische und der Fremde seinen Platz, ja ein Stück Heimat haben sollten. Auch das Fürstliche Haus Oettingen war mit dieser Kirche eng verbunden, nicht nur aus der selbstverständlichen Fürsorgepflicht heraus, die ja auch Ausdruck herrschaftlicher Rechte war, sondern es bestanden enge persönliche Beziehungen zu diesem auch als Hofkirche bezeichneten Gotteshaus, in dem Mitglieder der gräflich-fürstlichen Familie neben herausragenden Hofleuten und Geistliche ihre letzte Ruhestätte gefunden haben. Bauen und künstlerisches Schaffen waren zu keiner Zeit billig. Wir erkennen die Opferbereitschaft von vielen, vielen Generationen, die hier ihre Liebe und ihre Fürsorge, natürlich auch ihr Können und ihren Stolz, vor allem aber ihren Glauben zum Ausdruck gebracht haben. Damit knüpfte sich für die Menschen ein dichtes Netz der Beziehungen und der Liebe zu dieser Kirche, wo sie ihre Nöte und ihre Freude, ihre Sorgen und ihren Dank mitbringen und weitersagen konnten. Merkt er darauf, kann auch der moderne Besucher dies spüren.

Jakob Röttger