Andacht zum 3. Advent

Weihnachten verlegen? Im Ernst jetzt? Angesichts der Pandemie-Lage wurde diese Idee in einer großen deutschen Tageszeitung zumindest angedacht. Weihnachten verlegen? Ich lasse den Gedanken wirken und stelle mir vor, Gott sagt zu Jesus: "Schau dir nur die Welt an. Im Heiligen Land regieren die Römer, sie bedrücken die Menschen, schicken sie in der Welt herum zu einer Volkszählung. Junge, das ist kein guter Zeitpunkt für dein Erscheinen in der Welt, da warten wir lieber, bis es ruhiger wird!" Ich stelle mir vor, Maria sagt zu dem Engel: "Nee Du, das mit dem Kind, das lassen wir lieber. Ich bin doch gar nicht verheiratet, das gibt doch nur Ärger. Warten wir lieber, bis alles seine Ordnung hat!" Ich stelle mir vor, die Hirten sagen zueinander:" Vielleicht sollten wir wirklich mal zum Arzt gehen - was haben wir da Seltsames geträumt!? Der Heiland ist geboren - das gibt es doch gar nicht. Das kann doch gar nicht sein. Auf der Welt geht es doch zu wie eh und je. Wir sitzen da außen auf dem Feld, ausgegrenzt und verachtet - bleiben wir wenigstens am warmen Feuer!" Weihnachten verlegen, bis es besser passt - wäre das wirklich ein Option? Gegenfrage: Stellen Sie sich vor, es wird Frühling, die Sonne scheint wieder wärmer - und ein Landwirt sagt: "Ach, grad passt es mir gar nicht. Die Zeiten sind unsicher, wer weiß, ob da Pflänzchen aufgehen, ich lass das mit der Aussaat. Ich mache jetzt lieber Urlaub!" Kann er die Aussaat verlegen? Nein, das geht nicht. Denn wenn die Zeit reif ist, muss gesät werden. Damals, vor gut 200 Jahren in Palästina, da war die Zeit reif. Sie war reif für den, dessen Herrschaft nicht aufhören soll. Für den, der seinen starken Arm hebt und die Überheblichen hinwegfegt. Für den, der die Machthaber vom Thron stößt und die Unbedeutenden emporhebt. Für den, der den Hungernden die Hände mit guten Gaben füllt und die Reichen mit leeren Händen fortschickt. So singt es zumindest die Maria - und sie muss es wissen. Mit der Geburt Jesu senkt Gott das Samenkorn seiner Liebe in die Welt. Der Samen ist gesät. Gottes Schöpfungskraft, Leben, Trost, Heil Licht, sein Frieden, Leben wohnen ihm inne. Wo Unrecht und Missgunst herrschen, steckt in ihm die Kraft, solch ungute Strukturen aufzubrechen. Und heute, in diesen Wochen? In diesem Jahr? Der Samen ist gesät. Die Zeit ist reif, dass wir seiner Kraft vertrauen. Dass wir als seine Zeugen aktiv werden. Jetzt ist die Zeit!

Ihr Pfarrrer Johannes Heidecker

Erschienen in der Donauwörther Zeitung am 12. Dezember